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„Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit dem Zoo-Verein“

Veröffentlicht am 1. Oktober 2015 unter Aktuelles
„Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit dem Zoo-Verein“

Im Sommer haben sich die beiden Gesellschafter des Zoos, Zoo-Verein und Stadt Münster, auf einen neuen Zoodirektor geeinigt. Dr. Thomas Wilms soll im kommenden Jahr die Nachfolge von Jörg Adler antreten. Aktuell arbeitet der promovierte Zoologe als stellvertretender Direktor im Zoo Frankfurt. In einem ausführlichen Gespräch mit dem Zoo-Verein hat sich Thomas Wilms zu seinen Plänen im Allwetterzoo geäußert.

Zoo-Verein: Thomas Wilms, herzlichen Glückwunsch zur Wahl zum neuen Zoodirektor des Allwetterzoos. In wenigen Monaten treten Sie Ihre neue Dienststelle an. Worauf freuen Sie sich, wenn Sie an Münster denken, besonders?

Zunächst einmal freue ich mich auf den Zoo und auf die Mannschaft, die mich da erwartet. Ein paar der zukünftigen Kollegen kenne ich ja bereits. Das ist auf jeden Fall ein Team, das hochmotiviert ist und eine hohe fachliche Qualität und Kompetenz mitbringt. Ich freue mich natürlich auch auf die Tiere, vor allem auf die Menschenaffen, denn Gorillas zählen zu meinen Lieblingstieren. Und dann freue ich mich natürlich auf die Stadt, die ich seit meiner Kindheit kenne. Mein Vater kommt aus Münster, und noch heute wohnen mein Onkel und meine Tante, sowie Cousins und Cousinen von mir in Münster.

Zoo-Verein: Der Umzug nach Münster ist für Sie also kein Schritt ins große Unbekannte?

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Gorillas gehören zu seinen Lieblingstieren

Nein. Ich fremdle mit der Stadt überhaupt nicht, ganz im Gegenteil. Münster hat einen Reiz. Ich bin aufgewachsen in der Pfalz, bin jetzt die letzten acht Jahre in Frankfurt gewesen und muss sagen, der Schritt nach Münster ist so ein bisschen wie heimkommen. Münster hat etwas von der Heimeligkeit, die ich aus der Pfalz kenne und das ist eine schöne Aussicht.

Zoo-Verein: Wenn Sie als Kind in Münster Ihre Verwandten besucht haben, haben Sie häufig den Zoo besucht. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Also ich kann mich dran erinnern, dass ich als Vier- oder Fünfjähriger das erste Mal im Zoo war. Da habe ich aber nur noch ganz verschwommene Erinnerungen dran. Woran ich mich gut erinnere, waren die Besuche im Alter von sechs oder sieben Jahren, wenn ich zur Oma nach Münster gekommen bin. Dann war der Zoo der Hauptact. Ich wurde morgens von meinen Eltern in den Zoo gefahren und hatte dann den ganzen Tag Zeit mich im Zoo umzuschauen. Abgeholt wurde ich erst am späten Nachmittag. Von daher kann ich auch so ein wenig die Entwicklung des Zoos beurteilen. In Münster ist in den letzten Jahren gute Arbeit geleistet worden. Die Erinnerungen an den „Betonzoo“ sind in vielen Köpfen ja noch vorhanden, aber das ist ja mittlerweile in vielen Bereichen so gut gelöst, dass man darüber eigentlich gar nicht mehr reden sollte.

Zoo-Verein: Dennoch werden Sie an der einen oder anderen Stelle im Zoo bestimmt nochmal Hand anlegen. In welchen Bereichen muss sich der Allwetterzoo noch verbessern?

So richtig große Probleme sehe ich ehrlichgesagt nicht. Der Zoo hat ein extrem gutes Standing, er ist sauber und gepflegt. Die Tierhaltung ist auf einem hohen Niveau. Es gibt so ein paar kleine Stellschrauben, an denen ich drehen würde: Den Tierbestand würde ich gerne ein bisschen neu ordnen. Dazu gehört auch eine geographische Ordnung der Tiere. Was ich besonders wichtig finde ist, dass das Artenschutzengagement des Zoos sich auf einem so hohen Niveau befindet. Mir gefällt das Engagement vor Ort in Asien und auch die Erhaltungszucht seltener asiatischer Schildkröten im Zoo. Ich denke, es ist kein Geheimnis, dass ich von meiner Ausbildung her aus dem Bereich der Reptilien komme, von daher sind die Schildkröten sicherlich auch ein Thema, das fortgeführt und ausgebaut werden sollte.

Zoo-Verein: Der Artenschutz liegt Ihnen also auch sehr am Herzen?

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Thomas Wilms freut sich auf die Zusammenarbeit mit dem Zoo-Verein

Ich denke wir müssen als Zooleute überlegen, warum wir Tiere halten. Das hat natürlich den Hintergrund, dass wir Menschen an die Natur heranbringen wollen, dass wir Menschen naturwissenschaftlich bilden wollen, dass wir aber auch die Tierarten als Botschafter für ihre freilebenden Artgenossen nutzen. Wenn man dann noch weitergehen kann und über die Erhaltungszucht Artenschutzprogramme koordinieren kann, dann ist das natürlich optimal.

Zoo-Verein: Was ist der größte Unterschied zu Ihrem jetzigen Heimatzoo, dem Frankfurter Zoo?

Der Münsteraner Zoo ist ein Flächenzoo und hat fast 30 Hektar. Frankfurt hingegen ist ein kleiner Innenstadtzoo mit elf Hektar. Von der Ausrichtung her haben wir in Frankfurt viele Häuser, die eine lange Aufenthaltsmöglichkeit im Zoo generieren, so zum Beispiel das Grzimekhaus, wo wir eine Menge nachtaktiver Arten halten, z.B. Erdferkel, Quolls, Schnabeligel. In Münster wirken hingegen eher die Fläche und die Außengehege. Die Häuser rücken dabei in den Hintergrund.

Zoo-Verein: Sie haben es bereits angedeutet: Sie sind Reptilienfan. Werden wir in Münster also künftig auch mehr Schlangen und Echsen sehen?

Mir geht es nicht darum irgendwelche Lieblingstiere in den Zoo zu holen. Für mich stellt sich eher die Frage: Welche Rolle und welche Aufgabe hat eine bestimmte Art im Zoo? Das heißt: Was wollen wir damit zeigen? Welche Bildungsaufgabe wollen wir mit der Art verbinden? Hat die Art Artenschutzrelevanz? Und dann spielt natürlich auch noch eine Rolle: Was kostet denn die Haltung dieser Art? Wenn sich nun eine neue Reptilienart anbietet, würde ich mich natürlich nicht dagegen sträuben (lacht). Aber: Es wird sicherlich Änderungen im Tierbestand geben, die werden aber eher behutsam sein – kleine Justierungen. Im Bereich der kleineren und mittelgroßen Arten gibt es sicherlich eine ganze Reihe von Möglichkeiten, den Tierbestand noch einen Tick attraktiver zu machen.

Zoo-Verein: Wir engagieren uns als Förderverein bereits seit 1871 für den Zoo in Münster. Zuletzt haben wir den Bau des Elefantenparks mit 250.000 Euro gefördert. In Ihren bisherigen Stationen als Zoologe hatten Sie aber noch nicht mit einem Förderverein zu tun.

Foto: Etzkorn

Foto: Helmut Etzkorn

Das stimmt. Einen Förderverein haben wir im Zoo Frankfurt nicht. Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt war zwar ursprünglich auch Zooförderverein, hat aber in den letzten Jahrzehnten ihren Schwerpunkt in den internationalen Natur- und Artenschutz verlagert. Der Zoo-Verein ist von daher für mich etwas neues, da freue ich mich auch drauf. Als Förderverein ist er aus meiner Sicht ein sehr sehr wichtiger und starker Partner. Wenn ich nicht ganz falsch informiert bin, sind mittlerweile rund 8.000 Menschen Mitglied im Zoo-Verein und das ist natürlich ganz schöner Rückenwind. Das zeigt, dass ein großes Interesse in Münster und Umgebung vorhanden ist. Ich freue mich drauf, mit den Mitgliedern in Austausch zu treten und gemeinsam mit dem Verein zusammen zu arbeiten.

Zoo-Verein: Herr Wilms, vielen Dank für das Gespräch!

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